Atmen lernen – Zur Ruhe kommen – Gesund werden

Hecheln Sie nicht länger durch Ihr Leben!

Erschienen in der Sommerausgabe 2021 von
Naturscheck – Das Magazin für ein neues ökologisches Bewusstsein

Autorin Eva Wagner

 

Der Atem – Alltäglich und doch ein Mysterium

Atmen ist die Basis allen Lebens. Andersherum formuliert: Wenn wir die Fähigkeit zum Atmen verlieren, sterben wir. Die meisten Menschen atmen jedoch vollkommen unbewusst, nehmen dieses Wunderwerk für so selbstverständlich, dass sie selten darüber nachdenken. So kurios es auch klingen mag – die meisten Menschen müssen wieder atmen lernen!

Einer der Hauptgründe: Körperhaltung und Atmung passen sich unserer Lebensführung an. Schon Kinder sitzen viele Stunden nach vorn gebeugt am Tisch oder vor dem PC. Von klein auf lernen wir so, falsch zu atmen.

Nimmt man aber ernst, was wir über das Atmen und seine Wirkung auf unseren Organismus wissen, bedeutet es, dass wir durch unsere eigene Atmung konsequent dafür sorgen, körperlich, mental und emotional schlechter als notwendig zu leben und früher zu sterben. Also: Atmen Sie! Mit mehr Wissen und mehr Bewusstsein. Vielleicht schon während der ca. 120 Atemzüge, die Sie vollbringen, während Sie diesen Artikel lesen.

Die Macht des Atmens

Vielleicht rückt ja unsere intensive Auseinandersetzung mit Corona die fundamentale Rolle des Atmens für unser Leben sowie die Macht und Unabhängigkeit, die uns dadurch gegeben ist, wieder mehr in den Fokus. Wenn wir uns das Wissen über das Atmen wieder aneignen und auf ganz einfache Weise wieder zu unserer natürlichen Atmung zurückkehren, wäre mehr gewonnen, als man auf den ersten Blick ahnt. Denn Atmen ist nicht nur die beste Brücke zu körperlicher, mentaler und emotionaler Gesundheit – Atmen ist … magisch! Das Entscheidende ist nämlich nicht die Tatsache, dass wir atmen, sondern wie und wo wir atmen. Dies wieder zu erlernen, legt uns einen der wichtigsten Schlüssel für unser Wohlergehen in die Hände.

 

Wenn Sie es ausprobieren, werden Sie schnell feststellen: Atmen hilft enorm dabei, gesund zu werden und es auch zu bleiben. Außerdem bringt es Sie erstaunlich weit in Sachen innerer Frieden, Selbst-Bewusstsein, friedvolles Miteinander, Freiheit und Glück. Das allerbeste: Richtiges Atmen ist sehr einfach zu erlernen und es wirkt unmittelbar. Jedes Mal, wenn Sie einen der zahlreichen Irrtümer erkennen und anders atmen, geschieht etwas ziemlich Phänomenales: Sie spüren im gleichen Augenblick, wie sich die Vorgänge in Körper, Geist und Herzen anfangen zu bewegen. Als würde Ihr ganzes System sich freuen. Etwas „Verdrehtes“, wird geradegerückt. Und Sie stehen plötzlich mit beiden Füßen fest auf dem Boden.

Die Magie des Atmens

James Nestor, Autor des Buchs „Breath – Neues Wissen über die vergessene Kunst des Atmens“, drückt es ganz wunderbar aus. Auf sehr spannende Weise beschreibt er den engen Zusammenhang zwischen Gesundheit, Wohlbefinden und der Art und Weise wie wir atmen. Er nimmt seine Leser mit auf eine Reise durch uraltes aber wieder in Vergessenheit geratenes Wissen und erklärt an vielen Beispielen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse. Und dann sagt er plötzlich dies: „Alles, was Sie oder ich [….] je in den Mund genommen, in die Nase bekommen oder durch die Haut aufgenommen haben, ist vielfach gebrauchter Sternenstaub und mindestens 13,8 Milliarden Jahre alt. […] Einzuatmen bedeutet, sich mit dem zu tränken, was uns umgibt, kleine Stücke Lebens in sich aufzunehmen, sie zu verstehen und kleine Stücke unserer selbst in die Umgebung abzugeben. Atmung heißt im Grunde antworten. (S.62)“ Atmen ist also die Macht, mit der wir den Kosmos bewegen.

Atmen – Einfach und doch hoch komplex

Unsere Hightech-Welt besteht aus Nullen und Einsen und für nicht wenige Menschen hat sich die ganze Welt auf diese einfache Formel reduziert. Wahrscheinlich glauben deshalb auch viele, Atmen sei binär – einatmen und wieder ausatmen. Doch sowohl die scheinbar einfache Abfolge von Nullen und Einsen als auch Atmen entpuppen sich als hoch komplexe Systeme, in denen alles mit allem zusammenhängt.

Für das Atmen bedeutet das: Atmen sorgt dafür, dass Sauerstoff in den Körper gelangt und 70% (!) aller Abfallstoffe aus dem Körper transportiert werden. Die Moleküle, die wir aufnehmen, sagen den inneren Organen, wann sie sich an – und ausschalten sollen. Atmen wirkt auf Herzschlag, Blutdruck, Verdauung, Stimmung und Einstellungen. Atmung bestimmt mit, wann wir gereizt, aufgeregt oder gerührt sind und wann uns übel wird. Im Normalzustand ist der Schalter auf Entspannung und Erholung (Parasympathikus), bei Gefahr in Verzug schaltet der Körper auf Alarm (Sympathikus). Atmen reguliert die lebensnotwendige Rückkehr in den Erholungszustand. Wer also Stress reduzieren will, Pulsfrequenz und Blutdruck senken, mehr „positive“ Gefühle verspüren, gut verdauen, sein Sexualleben intensivieren möchte und darüber hinaus die inneren Weichen auf kreativ, intuitiv und gemeinschaftsfähig stellen möchte, der muss richtiges Atmen lernen.

Vielleicht hat Ihnen das Ihr Arzt schon einmal geraten? Sehr wahrscheinlich nicht. Denn leider fristet Atmen in der Schulmedizin in der Regel ein stiefmütterliches Dasein. Vollkommen zu Unrecht.

Atmen lernen, heißt in der einfachsten Form: Folgen Sie Ihrem natürlichen Atemmuster. Nach vielen Jahren schlechter Atemgewohnheiten will das allerdings gelernt sein. Hinzu kommt, dass so einige Irrtümer über das Atmen kursieren, die oft in ziemlich schlechte Ratschläge münden.

 

Irrtum 1: Es ist egal, ob man durch Mund oder Nase atmet
Richtig ist: Im Innern der Nase wird die Luft erwärmt, befeuchtet, gereinigt und so gepresst, dass sie bis tief in die Lunge vordringen kann. Deshalb im Alltag: Mund zu! Mit ein wenig Training gelingt das selbst bei körperlicher Anstrengung. Sie werden staunen, wie fit Sie dadurch werden! Mundatmung dagegen ist nur eine „Notfall-Atmung“ bzw. wird in bestimmten Fällen als Atemtechnik zum Initiieren innerer Prozesse eingesetzt.

 

Irrtum 2: Viel Atmen steigert den Sauerstoffgehalt im Blut
Richtig ist: Weniger, langsamer, ruhiger und gleichmäßig zu atmen, harmonisiert den Körper ideal. Wenn Sie gesundes Atmen lernen, üben Sie, gleich lange ein- und auszuatmen und kombinieren dies mit Phasen des Atem-Innehaltens. Damit sorgen Sie effektiv dafür, dass genug CO2 im Blutkreislauf ist. Erst dadurch kann Sauerstoff überhaupt erst vermehrt aufgenommen und im Körper optimal verteilt werden. 5-6 Atemzüge pro Minute sind optimal, um alle körperlichen, geistigen und seelischen Prozesse zu harmonisieren. Wussten Sie, dass deswegen Beten so wirksam ist? Weil viele Gebetstexte, vieler spiritueller Richtungen, z.B. der Rosenkranz, diese Atemfrequenz unterstützen!

 

Irrtum3: Das Einatmen ist entscheidend
Richtig ist: Einatmen ist nur ein passiver Reflex. Ausatmen dagegen müssen wir aktiv. Die allermeisten Beschwerden entstehen nicht, weil zu wenig Sauerstoff eingeatmet wird, sondern weil die verbrauchte Luft nicht ausgeatmet werden kann. Richtiges Atmen heißt deshalb, aktiv auszuatmen und die Dauer des Ausatmens zu verlängern. Dadurch erfahren Sie insbesondere bei Erkältungskrankheiten, Asthma, Schwindel, Unruhe- oder Angstzuständen schnelle Linderung.

 

Irrtum 4: Wir atmen mit der Lunge
Richtig ist: Atmung ist Muskelarbeit! Um die Lunge zu füllen, die selbst keine Muskeln hat, muss das Zwerchfell sich zusammenziehen und dehnen. Das trainieren Sie durch bewusste Bauchatmung. Permanentes Sitzen oder den Bauch einzuziehen, um schlanker auszusehen, hemmen unsere natürliche Atmung, weil sie ein großes Gewicht auf den Brustkorb legen, das dann nicht angehoben werden, kann, weil dafür der nötige Druck fehlt. Deshalb hilft es, wenn Sie sich ab und an dehnen und strecken und den Atem in Ihrem Bauch nutzen, um den hinteren Brustkorb zu dehnen. In den Bauch zu atmen ist die erste Grundlage, um vollständig in alle Bereiche der Lunge hinein zu atmen. Zwei- bis dreimal ein bisschen ungewohnt, dann sehr wohltuend!

Für eine gesunde Alltagsatmung und zum Korrigieren schädlicher Atemgewohnheiten, gibt es also zusammengefasst fünf einfache Regeln:

 

  1. Mund zu!
  2. Weniger, ruhig, langsam und gleichmäßig atmen
  3. Bauchatmung (=Zwerchfellatmung)
  4. Ausatmen verlängern
  5. Regelmäßig wenige Minuten bewusst atmen ist hoch wirksam!

Luft ist nicht gleich Luft

Es ist sicher einleuchtend, wenn Sie hier lesen, dass bewusstes Atmen im Wald die Wirksamkeit noch einmal um ein Vielfaches steigert. Ist ja klar – die Luft im Wald ist gesund! Aber wissen Sie auch warum das so ist?

Hierzu ein paar Facts: Die Anzahl der Staubpartikel ist im Wald um bis zu 90% geringer im Vergleich zu Stadtluft. Bäume verströmen nicht nur frisch produzierten Sauerstoff, sondern auch Unmengen von Botenstoffe (z.B. Terpene und Phytonzide). Die meisten davon können wir zwar nicht riechen, nehmen sie aber dennoch „gierig“ auf. Mit jedem Atemzug strömen mehr Luftmoleküle in unseren Körper als Sandkörnchen auf diesem Planeten sind – und im Wald sind sie angereichert mit genau den Stoffen, an die unser Organismus bestens angepasst ist.

Denken Sie daran: Entwicklungsgeschichtlich gesehen, sind wir erst vor kurzem aus dem Wald getreten, um in Städten zu leben. Zusammen mit Menschenaffen sind wir z.B. die einzigen Lebewesen, die so viele Grüntöne unterscheiden können. Diese Farbwahrnehmung wiederum setzt einen Hormoncocktail in uns frei, der den ganzen Organismus in Erholung bringt. Außerdem reguliert sich im Wald unser Atmen, weil wir im Grün viel bereiter sind, in Sinneserfahrungen regelrecht zu (wald)baden.

Ja. Der Wald ist eine schützenswerte Ressource. Der wahre Grund, den Wald zu erhalten, ist jedoch für mich ein ganz anderer: Bis hinein in die zelluläre Ebene weckt er Wohlbefinden und Liebe in uns. Auch wer mit Spiritualität nichts am Hut hat, kann an seinen eigenen körperlichen Reaktionen ablesen, wie sehr wir mit dem Wald verwachsen sind. Und wenn man bedenkt, dass in einem Ökosystem jedes Lebewesen eine wichtige Funktion hat, ist es umso spannender, herauszufinden, was wohl unsere ist. Ich persönlich nehme mal an, es hat was mit dem Atmen zu tun. Denn das ist unser gemeinsamer Kreislauf: Wir atmen, was Bäume produzieren und wir vervielfachen in unserem Körper das Kohlendioxid, das der Wald braucht. Mit jedem Atemzug um Faktor 100.

Mein Wunsch an Sie? Atmen Sie sich auf allen Ebenen gesund.

 

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